Heute, 35 Jahre nach der ostdeutschen Mehrheitsentscheidung pro Deutsche Einheit in der Sicherheit von EWG und NATO sieht das Ergebnis konträr aus. Bereits 1989/90 befanden sich die Freunde des dritten Weges auf der Siegerstraße. Den Rempler der Volskammerwahl vom 18. März 1990, den Beitritt zur Bundesrepublik 1990 nahmen die ost- und westdeutschen Freunde des dritten Weges leninistisch und geduldig in Kauf. Sie wußten, sie würden historisch doch noch obsiegen.
Das Wort Elbe in der Aktennotiz ist kein Druckfehler. Eine Verwechslung mit der Oder liegt nicht vor. Es ging um die Frage, ob sich das Gebiet der Nato durch die deutsche Vereinigung erweitert. Die Zusage: nicht über die Elbe besagte: auf dem Gebiet der ehemaligen DDR werden nur Truppen der Bundeswehr, aber keine, die der Nato unterstehen und keine anderer Natostaaten stationiert. Auch nach dem Beitritt befanden sich ja auf dem Gebiet der DDR noch einige Jahre ca. 380.000 sowjetische Soldaten.
Eine reformierte DDR wäre ein wirtschaftlich desolater Staat mit sowjetischer/russischer Truppenpräsenz geblieben. Kein Grundgesetz der Welt hätte der alten Bundesrepublik gestattet, tausende Milliarden in den Aufbau-Ost eines anderen deutschen Staates zu transferieren.
1990 begann die Friedrich-Eber-Stiftung ihre noch heute gut besuchte Serie der Bautzenforen. Meine Hauptargumentation galt an diesen beiden Tagen den beiden Begriffen Stalinismus und Kommunismus. In der Abschlussdiskussion am letzten Tag stand nach meinem Beitrag Benno von Heynitz auf und teilte uns allen mit, dass dem Bautzenkomitee meine Argumentation einleuchtete und er deshalb noch in der Nacht am Karnickelberg war und den Stalinismus in der Inschrift durch den Kommunismus ersetzen liess.
Wir Neuabgeordneten mußten unter Abwägung verschiedener, teilweise sehr berechtigter, Aspekte eine grundlegende Entscheidung treffen - Opposition oder Koalition. Gegen Koalition standen neben den Argumenten der blockflötigen Vergangenheiten unserer etwaigen Partner die Narben aus dem Wahlkampf zu Buche. Die Verleumdungen als SED-unterwanderte Partei hatten bei vielen unserer Mitglieder regelrecht Haß und Abscheu vor der verlogenen Allianz für Deutschland produziert.
Die "Helden in gebückter Haltung", die Blockparteien, warfen der SED zurecht die Diktatur und das MfS vor. Vergassen dabei, dass sie alles, wenn auch unter gewaltigem Haltungsdruck, alles mitmachten.
Die DDR-Gewaltigen verstanden die DDR als antifaschistischen Hort, der mit dem Faschismus gründlich aufgeräumt hatte und dessen Wiederkommen keine Chance geben würde. Die wichtigste Machtsäule war dabei das gefürchtete Ministerium für Staatssicherheit (MfS), welches am 17. November 1989 in Amt für Nationale Sicherheit (AfNS) umdekoriert wurde.