SBZ/DDR-Reinwaschen soll weitergehen

Die Leipziger Linksaußenfraktion will heute Erich Zeigner in die Bilder-Reihe der demokratisch gewählten Oberbürgermeister aufnehmen lassen – das SBZ/DDR-Reinwaschen soll damit weitergehen

Erich Zeigner als Mensch und Erich Zeigner als Politiker waren zwei sehr verschiedene Persönlichkeiten.

 

Als Mensch besaß er durchaus Qualitäten. So hatte Zeigner 1943 den Kontakt zwischen einer Leipziger Jüdin mit kleinem Kind und Pater Aurelius Arkenau im Dominikanerkloster Leipzig-Wahren hergestellt. Der Pater versteckte kurzzeitig die Frau und das Kind (die schon auf einer Deportationsliste standen), besorgte falsche Papiere und vermittelte die beiden nach Halle zu einem katholischen Ehepaar. Vorher taufte er unter konspirativen Umständen noch den dreijährigen Jungen - Erich Zeigner war Pate.

 

Wie auch immer die politische Einordnung des SPD/SED-Mannes Zeigner ausfällt, hier hatte er dem Ungeist widerstanden und (sich selbst gefährdend) zwei Leben gerettet. Zeigner war dann ab 1944 in den KZ Sachsenhausen und Buchenwald und wurde 45 befreit. Er starb 1949.
Der Ungeist lebte weiter – 1951 flüchteten die halleschen Retter samt den beiden Geretteten in den Westen, nachdem die SED die Jüdin unter Druck gesetzt hatte, ihre katholischen Retter zu bespitzeln.

 

Der Politiker Zeigner war dagegen ein Versager auf ganzer Linie.
1923 führte er eine SPD/KPD-Regierung in Sachsen, die mitsamt der gleichzeitigen Thüringer SPD/KPD-Regierung mittels Reichswehreinsatz völlig zurecht aus dem Amt genommen wurde.

 

Man muss sich das so vorstellen: Die KPD war damals faktisch nicht anderes als eine Auslandsabteilung der KPdSU. Diese KPD wollte 1923 eine deutsche Oktoberrevolution (siehe "Deutscher Oktober 1923") und das vor dem Hintergrundwissen, welch große Opferzahl Lenins Oktoberputsch ab 1917 in Rußland produzierte. Das wäre das Ende der Weimarer Republik gewesen.

Der kommende Erfolg der Nazis ist ohne die kommunistische Zerbröselung der Weimarer Republik nicht denkbar. Leute wie Zeigner trugen ihr Scherflein dazu bei.

 

Mit heutigen Wissen war die kommunistische Idee eines "Deutschen Oktobers" nichts anderes als die spätere SED-Diktatur (DDR). Die wiederum ist den Nationalsozialisten anzulasten. Ohne deren "Machtergreifung", Weltkrieg und Massenmorden inklusive der verdienten Niederlage hätte es die östliche Sieger- und Besatzungsmacht nicht gegeben, die ihrerseits eine Diktatur nach ihrem Ebenbild in der SBZ/DDR errichten konnte. (Siehe auch: https://www.huffingtonpost.de/…/linke-lebensluege-ddr-unrec…)

 

Die Leipziger Linksaußenfraktion bezweckt mit ihrem heutigen Antrag pro Zeigner zwei Lügen aufzufrischen:
- der "Deutsche Oktober 1923" 1923 sei ein legitimer Versuch gewesen.
- der Beginn 1945 sei in der SBZ/DDR demokratisch gewesen.

 

Beides ist Schund!

 

Zeigner war Oberbürgermeister Leipzigs. Das ist eine Tatsache. Zeigner war kein demokratischer Oberbürgermeister. Das ist die andere Tatsache. In eine Reihe der Leipziger Oberbürgermeister gehört Zeigner. In eine Reihe der demokratischen Leipziger Oberbürgermeister gehört er definitiv nicht!

Besonders „interessant“ in diesem Zusammenhang ist der Linksaußenantrag am heutigen Tag: Am 18. April 1945 befreite die US-Army Leipzig und setzte wenig später Wilhelm Johannes Vierling als Oberbürgermeister ein. Das Kapitel „Wiederaufbau und Vierling“ soll damit endgültig in der Linksaußengeschichtssenke verschwinden.

Hier ein Artikel in der Leipziger Volkszeitung zum Thema:

 

Hollitzer wettert gegen Zeigner
in OBM-Galerie

 

Das Bürgerkomitee Leipzig kritisiert die geplante Erweiterung der Galerie der Oberbürgermeister im Neuen Rathaus. Wie berichtet, hatte die Stadtverwaltung Porträts der demokratisch gewählten Bürgermeister in einer neuen Galerie aufgehängt. Gezeigt werden Bilder der Oberbürgermeister aus der Zeit von 1877 bis 1937 sowie von 1990 bis 2005. Weil Erich Zeigner (Oberbürgermeister von 1945 bis 1949) in der Reihe fehlte, gab es massive Proteste. Die Linken stellten den Antrag, Zeigner als ersten Nachkriegs-Oberbürgermeister wegen seiner Verdienste um die Stadt nachträglich aufzunehmen. Die Stadt hatte argumentiert, dass Zeigner nicht demokratisch gewählt, sondern durch die sowjetische Militärregierung eingesetzt worden sei. Nach einiger Debatte hatte Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) eingelenkt und sich bereiterklärt, die Galerie um Zeigner zu erweitern. Heute befasst sich der Stadtrat mit dem Thema.

 

„Die Linkspartei folgt der überwunden geglaubten Geschichtsklitterung“, wettert nun Tobias Hollitzer vom Bürgerkomitee. Es sei nicht nachvollziehbar, dass jetzt auch die Stadtverwaltung die Position der Linken teile. Zudem werde nunmehr die Person gänzlich ignoriert, die in Wahrheit der erste Nachkriegsbürgermeister gewesen sei: Wilhelm Johannes Vierling sei nach der Befreiung Leipzigs von den US-Amerikanern im April 1945 eingesetzt worden. Nach dem Besatzungswechsel setzte der sowjetische Stadtkommandant Nikolai Trufanow Vierling im Juli 1945 wieder ab und installierte Erich Zeigner.

 

Tobias Hollitzer fordert, dass der Stadtrat seine Entscheidung über die künftige Gestaltung der OBM-Galerie und die nachträgliche Installation eines Zeigner-Porträts vertagt. Es brauche ein „solides historisches Konzept statt weiterer populistischer Schnellschüsse“. Zeigner sei nicht demokratisch zum Oberbürgermeister gewählt worden. bm