Flucht in die Kommandowirtschaft

                                                                                                

1989 brach die Kommandowirtschaft des Ostblocks zusammen. Nicht einmal den Stacheldrahtzaun zur Renovierung der ungarisch-österreichischen und der ungarisch-jugoslawischen Grenze wurde im Ostblock in der geforderten Qualität und Menge produziert. Die Regierung Nemeth hätte dafür Millionen an nicht vorhandenen Devisen aufbringen müssen, um ihre Dienstleistung der tödlichen Grenzsicherung für den ostdeutschen Arbeiter- und Bauernstaat weiterhin erbringen zu können. Da die Ungarn ihre Bevölkerung schon länger in den Westen reisen ließen, entschied Nemeth, das Westgeld nicht brüderlich für den SEDE-Staat zu opfern. Am 2. Mai 1989 begann Ungarn die Grenzanlagen abzubauen. Die glücklichen Folgen sind bekannt. Die Wanne lief ohne Stöpsel recht schnell leer und die DDR ging baden.

Die DDR ging auch wegen ihrer kommunistischen Kommandowirtschaft baden. Jeder Betrieb hatte Auflagen, was und wofür er es produzieren soll. Die Finanzierung wurde staatlich gesichert, mehr oder weniger. Eher weniger. Gegen Ende der großen DDR kamen die Politstrategen auf den Dreh, allen Kombinaten eine zusätzliche Konsumgüterproduktion aufs Auge zu drücken. Das Braunkohlenwerk Borna, ein baunkohlefördernder und weiterverarbeitender Betrieb mit drei Groß- und zwei Normaltagebauen, Kraftwerken, Brikettfabriken und 15 000 Beschäftigten musste bspw. völlig artfremd Leiterplatten für Transistorradios als Beitrag zur zusätzlichen Konsumgüterproduktion herstellen. Das wurde auch gemacht. Allerdings fehlten die dieser Art Beschäftigten dann für die eigentliche Aufgabe des VEB BKW Borna. So erging es allen Kombinaten und Werken der größten DDR, die es je gab. Und warum das alles? Weil die schnöde Welt gefälligst so zu sein hatte, wie es von Ideologen beschlossen wurde. Basta!

Ganz soweit sind wir in Deutschland noch nicht. Also, was das mit der artfremden Produktion angeht. Das mit dem Vorschreiben, was und wie produziert werden soll, dieser Weg wird irgendwie schon  selbstverständlich beschritten. Das ist zu konstatieren.

Fernab von dem, was unsere politischen Mitbürger aus dem früheren Westdeutschland über Soziale Marktwirtschaft lernten (und uns lehrten), kommen jetzt Forderungen an die Automobilbranche auf, die die Zeitgenossen des Ostblockzusammenbruchs haarsträubend an deren gruslig miterlebte Kommandowirtschaft erinnern müssen.
Die Autobauer sollen Autos für die Halde produzieren. Da hätten wir auch die „Bella“-Schuhfabrik in Groitzsch erhalten können: der Firma vom Steuerzahler Geld geben und verlangen, Schuhe zu produzieren, die eh keiner kaufen wird.
So ähnlich ist das doch mit der Marge für E-Autos vorstellbar. Cash vom Steuerzahler und ab die Post mit Vehikeln, die eh keiner kaufen wird. Es sei denn, die Bevölkerung wird zum Kauf genötigt. Was auf jeden Fall so geschehen wird. Wetten?

Ich bin erschüttert über das Ausmaß der Verwahrlosung marktwirtschaftlichen Denkens. Und erstaunt bin ich, dass das alles ohne Mauer, Stacheldraht und Schießbefehl abläuft. Mann, waren die Kommunisten bescheuert!

Vor dem Hintergrund der gelungen einseitigen Beschimpfung der lügnerischen Autobosse, gelogen bis sich Dachbalken bogen hatten sie ja tatsächlich, durch viele Vertreter einer maßlos selbstbetrügerischen Politik, bleibt festzuhalten: Die Einen legten Grenzwerte fest, die nicht zu halten waren und die Anderen wehrten sich nicht dagegen und ließen sich dafür bejubeln. Betrüger und Betrogene finden sich auf beiden Seiten dieser glanzlosen Medaille. Die Einen wollten betrogen werden und die Anderen haben betrogen. Phantastisch, wie der Betrugspokal an den Grenzwertstrickern vorbei einzig und allein in den Auto-Manager-Etagen aufklatscht.

Warum das Theater gerade jetzt? Die Grünen schlafwandeln an der Fünf-Prozent-Marke, werden vielleicht Opfer ihres frenetischen Jubels über Millionen zumeist sehr religiöser Zuwanderer. Davon muss abgelenkt werden. Da sowohl Union als auch SPD die Fehlerdiskussion zur Völkerwanderung 2015/16 um jeden Preis, auch den der massenhaften Wahlenthaltung, vermeiden wollen, klappt das auch. Alle, wie schon im September 2015, sind sie wieder beisammen und werfen Fipronil-Eier auf den Dieselmotorstandort Deutschland, um mittels des baldigen Weltuntergangs die Grünen sowohl für die Union als auch für die SPD retten zu können. Die Götter der freien Wahl mögen es verhindern!

Als geschichtlich interessiertem Zeitgenossen fallen mir an dieser Stelle Stalins Kampagne und Prozesse gegen eine imaginäre „Industriepartei“ ein. Der Aufbau der jungen Sowjetmacht kam nicht so recht voran, es wurden Schuldige gesucht und gefunden: die technische Intelligenz, die leider nicht zaubern konnte. Obwohl sie es doch tun sollte. Die Partei hatte es doch genauso beschlossen. Wie es nun mal  schön zu sein hatte!

Stalins Ingenieure hatten sich ebenso wenig gegen nicht erfüllbare Forderungen zur Wehr gesetzt wie es die Autobosse viele Jahrzehnte später auch nicht taten. Obwohl es die Autobosse besser hatten. Ihr Widerspruch hätte sie nicht in den Gulag gebracht. Sie hätten mit der Physik-Kanzlerin nur keine gemeinsamen Torten mehr vernaschen dürfen.

Erläuterung zum Foto (siehe "Meine Artikel"):
Mein Volkskammer-Abgeordnetenbüro in der Leipziger Leninstraße 165 fünfundvierzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. So sah Leipzig 1990 aus.