Von der Jugendweihe hielt ich zu DDR-Zeiten überhaupt nichts. Ein politisches Instrument des sozialistischen Haltungsstaates.
Mein vier Jahre älterer Bruder Christian machte noch die offizielle Jugendweihe und heimlich die Konfirmation.
Für mich fiel Konfirmation aus, Religion war genausowenig was für mich wie die quasi-Religiösitiät des atheistischen kommunistischen Staates.
Die Eltern, politisch schwer gebrannt, rieten mir aus präventiven Gründen zur Jugendweihe. Ich sollte mir wegen dieses Blödsinns, der meiner Immunität dagegen nichts anhaben konnte, ein späteres
Studium nicht verbauen.
1991 kam eine Mutter, deren Tochter im Frühjahr Jugendweihe vor sich hatte, auf mich zu und bat mich, die Jugendweihe in der neuen demokratischen Zeit zu halten.
Ich überlegte nicht lange und sagte ja. Besser ein Sozialdemokrat der Freiheit spricht zu den Heranwachsenden und ihren Eltern als gewendete Kommunisten. Die Entscheidung bereute ich nicht. Bis
2001 war ich Jugendweiheredner in Leipzig, ab und an in Annaberg-Buchholz, meiner früheren Heimat, einmal 1997 in Hamburg.
Der Freie Blick aus Hamburg
